Die bedrängende Lust auf Spiele, Chat und Porno - Systemische Interventionen bei Internetabhängigkeit - Neue Perspektiven auf nicht mehr ganz so neue Phänomene

Onlinekommunikation könnte so etwas wie das virtuelle Nikotin werden: viele nutzen es intensiv und dabei lässt sich der Alltag gut bewältigen. Negative Folgen stellen sich nur sehr langfristig ein und werden mitunter Jahrzehnte kaum bemerkt: Verringerung der Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit; Erhöhung der Sozialängstlichkeit; Verringerung der Fähigkeit, nonverbale Signale zu entschlüsseln, Verstärkung melancholischer oder depressiver Momente. Letztlich kann es zur Verringerung der Lust auf die Welt führen.

Onlinesex, also v.a. der exzessive Pornokonsum ließe sich am ehesten mit dem Cannabiskonsum vergleichen. Viele tun es und können eine Zeitlang ganz gut damit leben – einige zieht es dann relativ schnell und relativ stark in eine unkontrollierbare Konsumdynamik. Onlinerollenspiele – im Gamingbereich nach wie vor eine Hauptgruppe – könnte als Heroin der Branche bezeichnet werden. Im Seminar wird eine systemische Perspektive auf die Phänomene der exzessiven Mediennutzung eingenommen. Es wird verdeutlicht, wie schwerwiegend die Beschäftigung mit dem Internet entgleisen kann und welche Kontextbedingungen eine solche Entgleisung begünstigen. Für das Verständnis der Internetabhängigkeit spielen die Grunderwartungen eines Menschen an die Welt und sich selbst eine entscheidende Rolle. Die Entwicklung süchtigen Verhaltens ist oft auch Ausdruck von vielfältigen und anerkennenswerten Bedürfnissen. Die Fokussierung der Kompetenzaspekte der Internetsucht kann dabei helfen, attraktive und motivierende Alternativen sowie erfüllende und bereichernde Ziele zu entwickeln. Einige der Methoden, durch die den Betroffenen Lust gemacht werden soll, die „Internetabhängigkeits-Trance“ gegen Experimentier- und Lebensfreude einzutauschen, werden vorgestellt. (16 UE)

Dozent:in
Veranstaltungsort
Helm-Stierlin-Institut
Termine
  • Mo. 10.11.2025 09:00 – Di. 11.11.2025 16:00
Veranstaltungsreihe hat begonnen, keine Anmeldung mehr möglich.
Kosten
300,00 Euro