Ignoranz, Beleidigungen, Schläge, Deepfakes … Mobbing hat viele Gesichter. Zahlreiche Handlungen scheinen der Absicht zu folgen, ein ausgewähltes Opfer zu schädigen. Doch ist das wirklich so? In dem Seminar setzen wir gemeinsam die systemische Brille auf und stellen uns unter anderem diese Frage.
Dabei werden wir feststellen, dass Mobbing auch als Phänomen zur Herstellung von Ordnung betrachtet werden kann - im Klassenzimmer sowie im virtuellen Raum. Auf der Seite des „Täters“ kann dies mit einem Bedürfnis nach Sicherheit sowie mit dem Ziel einhergehen, Kontrolle über das eigene Leben zu erhalten. Eine vordergründige Schädigungsabsicht gegenüber dem "Opfer" rückt damit in den Hintergrund. Des Weiteren wird ersichtlich, dass vielmehr dysfunktionale Kommunikationsstrukturen Nährböden für Mobbing-Dynamiken bieten.
An dieser Stelle verlassen wir den Lernort Schule und widmen uns einem bisher im Kontext Mobbing unerforschten System - dem Familiensystem. Ausgehend von der Frage, inwieweit das subjektive Mobbingerleben einer betroffenen Person durch die Muster der familiären Alltagspraxis beeinflusst werden kann, ergeben sich neue interessante Ansätze. Demnach werden wir das Phänomen Mobbing im Rahmen dieses Seminars im Wechselspiel der Systeme Schule und Familie betrachten. Impulse für die tägliche Arbeit im breiten Feld der Kinder- und Jugendhilfe kommen dabei nicht zu kurz.